Jaroslawl – Weltkulturerbe am Oberlauf der Wolga

Wenn man einen Tausend-Rubel-Schein in der Hand hält, schaut man selten auf das Bild darauf. Ohne die Unterschrift „Jaroslawl“ ist es auch nicht für alle erkennbar. Aber die Bewohner oder Gäste der Stadt würden schon erkennen, dass auf dem Bild das Denkmal für den Gründer einer der ältesten russischen Städte dargestellt ist.

Die Wolga-Stadt Jaroslawl feiert bald ihren 1.000- jährigen Geburtstag. Laut altrussischen Chroniken wurde sie 1010 auf Erlass des Fürsten Jaroslaw des Weisen gegründet. Die neue Festung sollte ein Vorposten für das etwas südlicher liegende Rostow (Rostow-Weliki) sein, wo der Fürst regierte.

Zwei Jahrhunderte nach seiner Gründung wurde Jaroslawl zu einem selbstständigen Fürstentum. Noch zwei Jahrhunderte später, 1463, schloss es sich dem sich rasant entwickelnden Moskauer Staat an und wurde faktisch zur „stellvertretenden“ Hauptstadt. Wenn Moskau Gefahren drohten, konnten seine Eliten sich und die Staatsschätze nach Jaroslawl retten. Jaroslawl war längere Zeit die zweitgrößte Stadt im ganzen Großfürstentum Moskau.

Drei historische Leistungen


Jaroslawl kann sich außerdem drei historischen Leistungen zu Gute halten, die eine bedeutende Rolle im Werden nationalen sowie kulturellen Bewusstseins ganz Russlands spielten:

Im Jahr 1612 begannen von hier aus die russischen Nationalhelden Minin und Poscharski eine Befreiungsbewegung gegen die Polnische Okkupation Moskaus. Zwei Monate lang wurde Jaroslawl sogar anstelle des besetzten Moskaus zur Hauptstadt Russlands erklärt.

Ein Denkmal für Minin und Poscharski steht heute auf dem Roten Platz in Moskau. Der Tag der Befreiung von den Polen am 4. November 1612 wurde kürzlich zum neuen russischen Nationalfeiertag erklärt, der allerdings bisher noch wenig populär ist.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in Jaroslawl von einem Leibeigenen, Fjodor Wolkow, das erste Theater Russlands gegründet – das Wolkow-Theater, das bis heute arbeitet.

Gegen Ende desselben Jahrhunderts wurde in Jaroslawl im Spasski-Kloster das mittelalterliche Manuskript des bekanntesten russischen Epos – “Bericht über Igors Heer” (“Slowo o polku Igorewe”) entdeckt.

Einst russische Hauptstadt, heute Provinzzentrum – aber dennoch wichtig


Heute, obwohl Jaroslawl eine der 85 russischen Gebietshauptstädte ist, hat es seine politische und wirtschaftliche Führungsrolle eingebüßt. Auf dem russischen Markt ist es vor allem wegen seiner Autoreifen, Dieselmotoren und Lacke bekannt.

Die günstige Lage am Oberlauf der Wolga und nur 280 Kilometer Entfernung von Moskau lassen die Provinzstadt jedoch nicht ganz an den Rande des Landes rücken. Jaroslawl ist mit Wasserstrassen mit allen wichtigen Wolgastädten verbunden, darunter Twer, Kostroma, Nischni Nowgorod, Samara, Wolgograd, und Astrachan. Zudem gehen durch Jaroslawl die Eisenbahnlinien bis nach Archangelsk und sogar Wladiwostok.

Bedeutung für den Tourismus


Das Jaroslawl von heute ist aber keinesfalls bloss eine Zwischenstation auf dem Weg in die größeren Zentren, sondern einer der touristisch attraktivsten Orte im europäischen Teil Russlands. Dank seiner reichen Geschichte und des gut erhalten gebliebenen Stadtkerns zählt Jaroslawl zum so genannten Goldenen Ring – einer berühmten touristischen Route im Nordosten von Moskau.

Weltkulturerbe und 1000 Jahre alt


Bis heute ist das historische Stadtbild von vielen Klöstern und Kaufmannshäusern aus dem 15., 16. und 17 Jahrhundert geprägt, die beispielhaft für die alte nordrussische Baukunst und den „Moskauer Barock“ sind.

Für Musikfreunde lohnt sich ein Besuch Jaroslawls besonders im August. Am Vorabend der Feier der Verklärung des Herrn (der immer am 6.August ist) findet hier jährlich das Internationale Kirchenmusik-Festival für Chor- und Glockenmusik „Die Verklärung“ statt.

An die Bedeutung und Geschichte Jaroslawls erinnert seine Bewohner und Besucher eine Uhr: Im Dezember 2007, genau 1.000 Tage vor dem großen Jubiläum, wurde im Stadtzentrum eine Straßenuhr aufgestellt, die die Tage bis zum tausendsten Gründungstag Jaroslawls zählt. Die große Feier findet im Mai 2010 statt.

Inzwischen weist auch die UNESCO auf das schöne Städtchen an der Wolga hin: 2005 nahm die Organisation Jaroslawl in ihre Liste des Weltkulturerbes auf.

Kategorie: Überblick, Aktualisiert am 6. August 2009 von admin | Anmelden